Mittwoch, 3. April 2013

Ahnen Teil 2

Hier die Fortsetzung meiner Ahnen seitens meines Großvaters.













Dieser Auszug wurde 1936 für den Ariernachweis angefertigt.

Montag, 1. April 2013

Von Hessen an die Küste und die Ahnen

Familienforschung

Wir haben bereits im Vorfeld über die Gepflogenheit der Namensänderung, wie z.B. die Lateinisierung von Namen nach Studium und Promotion, berichtet.
Bei der Familienforschung werden die Ahnennummern nach Kekulésystem erstellt. Dies vorab zur Erklärung.
Besonders interessant sind immer die kleinen Anekdoten aus der Vergangenheit, auf die man bei der Suche nach seinen Ahnen trifft.

Meine Großeltern stammten aus Hessen. Der Großvater war in Darmstadt geboren, seine Vorfahren stammen aus Schwarz/Oberhessen. Die Großmutter geboren in Schönberg an der Bergstraße, ihre Vorfahren stammten aus Beedenkirchen, ganz in der Nähe.
Großvater kam aus einem bürgerlichen Haushalt, Großmutter war eine Waise.








































 Und manchmal findet man auch "berühmte Verwandte".









































Bremerhaven war noch eine junge Stadt. Der Fischereihafen, der später der größte des Kontinents werden sollte, steckte noch in den Kinderschuhen. Bereits 1885 elf Jahre vor Eröffnung des Fischereihafens lief der erste "große" Fischdampfer nach Island von der Reederei Busse aus Geestemünde aus. An der Geestemauer findet man noch heute das Busse-Denkmal.

Nachdruck aus NZ 1.11.1996





































Aus einem alten Bremerhaven-Stadtplan



































In dieses Neuland strömten die Glückssucher aus allen Himmelsrichtungen. So machte sich auch Heinrich Jöckel (KekuléNr. 6), mit Frau Margarate, geb. Hechler (KekuléNr. 7), mit zwei Töchtern, eine meine Mutter, auf, um für die neue Stadt eine Stadtküche zu übernehmen.

Traditionsgemäß lernte der Älteste in der Familie Schlachter, für den zweiten war dann ein Karriere als Soldat üblich. Als drittes Kind war noch eine Schwester da, die verheiratet wurde, in diesem Fall auch mit einem Schlachter. Großvater war also Berufssoldat. Aber er musste "den Rock ausziehen". Eine Umschreibung für eine unehrenhafte Entlassung, die folgendermaßen zustande kam:
Wollte ein Soldat damals heiraten brauchte er den Dispens, die Erlaubnis. Mein Großvater hat jedoch seine Margarete geheiratet, ohne die Erlaubnis einzuholen.
Übrig blieb die Uniform, der Bierkrug und ein Spruch unter Glas:
Ruft einst das Vaterland uns wieder
als Reservist oder Landwehrmann,
dann legen wir die Arbeit nieder
und folgen treu der Fahne dann.

So musste mein Großvater sich neu orientieren und verließ die Heimat Richtung Küste.



Mein Urgroßvater war bereits Soldat, Wachtmeister der Darmstädter Dragoner, und verließ die Armee nach den 12 üblichen Jahren. Die Versorgung durch den Staat fand dermaßen statt, das die ehemaligen Soldaten Arbeit bei der Post, Sparkassen oder ähnlichen staatlichen Stellen bekamen. Im Fall meines Großvaters, war es der Posten eines "Großherzoglichen Gendameriewachtmeister zu Fuß".
Diese Herren waren sehr angesehen und wurden gerne als Schwiegersöhne genommen. Die Töchter gingen in "Stellung" oder wurden mit "honorigen Bürgern" verheiratet. So hielt es sich auch bei ihm und er heiratete die Tochter eines wohlhabenden Metzgermeisters mit damals üblicher Aussteuerverpflichtung. Somit entstand eine gewisse bürgerliche Wohlhabenheit.
Auch der Werdegang der Söhne hatte auch eine Regelung. Der Älteste übernahm Hof oder Gewerbe, die restlichen hatten je nach Stand folgende Möglichkeiten: einer studierte, gerne Jura, einer wurde Priester, das war die sicherste Lösung, andere wurden Soldaten.

Die vielen Geburten zu der damaligen Zeit forderten Regelungen.
Nach der Schlacht bei Königgrätz z.B. waren Auswanderungen verboten, weil der Anteil der männlichen Bevölkerung rapide abgenommen hatte. In langen Friedenszeiten dagegen kauften einige Fürsten Land in Amerika und stellten es ihren Bürgern zur Verfügung, um den "Überschuss" an Bevölkerung elegant los zu werden. Das Land war oft sehr schlecht und ernährte die Familien nicht. Texas ist ein Beispiel dafür. Für deutschen Ackerbau nicht zu gebrauchen, hätten sie damals schon gewusst, welcher Reichtum unter der Erde schlummert, wobei satt wären sie davon auch nicht geworden. Bald wurden aber auch da Soldaten gebraucht.

Mal so nebenbei:
Ein anderes Scharmützel zwischen Hessen und Preußen brachte den Hessen den Ruf der Blindheit ein. Den Preußen wurde nachgesagt das sie stinken. Es wurde behauptet, die Hessen hätten auf Misthaufen geschossen und nicht die Gegner getroffen. Die Hessen entgegneten daraufhin: "Wir haben dahin geschossen wo es am meisten stank."


Der Spruch aus den Soldatentagen, den ich oben erwähnte, hing in meinem Zimmer. Als die Großeltern 1907 nach Bremerhaven kamen, ahnte keiner, dass nur sieben Jahre später genau dieser Ruf kommen würde.






Montag, 25. März 2013

Übernahme der Stahlhelmer

Nach der Vereinbarung

Die Rehlein in dem Wiesengrund, sie haben sich organisiert.
Sie bildeten einen NS-Rehleinbund, damit ihnen nichts passiert.

Das gefiel den hohen Herren nicht, also wurde umgedichtet:

Die Rehlein in dem Wiesengrund, sie haben sich nicht organisiert.
Sie bildeten keinen NS-Rehleinbund, damit mir nichts passiert.

Er brachte eine Kiste mit auf die Bühne, auf der Regierung stand. Sein Partner ging zur Kiste und öffnete sie und sagte ganz erstaunt:" Da sind ja alles Lumpen." "Ja, das hast jetzt aber Du gesagt."

Die Folge war ein letztes Antreten der alten Frontkämpfer zum letzten Appell, zum letzten Zapfenstreich bevor sie von der SA übernommen wurden.

Großvaters Kameraden vom Stahlhelm


SA=Sturmabteilung, nach der Machtübernahme gab es nichts mehr zum Stürmen. Man wusste auch nicht so recht wohin mit der "Stürmerbande".
Der Führer der SA, Röhm, lag nicht auf der Parteilinie. Es dauerte auch nicht lange, bis er abgesägt, ermordet wurde.
In den Zigarettenbilder Sammelalben war Röhm auch abgebildet, man musste sich nach seinem Tod Ersatzbilder schicken lassen, um die Bilder von ihm auszutauschen. Er sollte dort nicht mehr verewigt sein.



Aus Zigarettenbilder Sammelalbum




































Das tat der momentanen Feierlichkeit im Wiesengrund im Bürgerpark in Bremerhaven keinen Abbruch.

Übernommen von der Sa wurden nur die alten Kämpfer bis zum Alter von 35 Jahren.
Es war eine elegante Lösung, somit fiel die ganz alte Garde der Kaisertreuen, wie mein Großvater, die nichts mit Herrn Hitler, dem böhmischen Gefreiten mit Eisernem Kreuz 1. Klasse, am Hut hatten, durch das Raster.



Großvater in Uniform




































Ich freute mich. Kam ich doch als einziger aus unserer Gegend von der Scharnhorst Jugend des Stahlhelms und nun zu der Hitlerjugendgruppe der Pimpfe. Damit war ich endlich eingegliedert in die Jugend von unserer Straße, von unserer Gegend.

Ich wurde vom Jungmannführer, den ich bereits kannte, persönlich begrüßt. Wurde auch gleich befördert zum Zugführer, grün-weiße Kordel, aber zusagen hatte ich, der Neue, nichts. Musste gleich die Pauke hauen.
Die Großeltern sagten nichts. Nur wegen der Pauke gab es Widerstand, was wohl wegen der lautstarken Übungsstunden nicht mit der Nachbarschaft vereinbar war. Die Eltern mussten Geld rausrücken für eine Uniform, von Kopf bis Fuß.



Was war ich stolz.




































Da viele Wandertouren unternommen wurden, musste auch ein Fahrrad her. Nazi zu sein war eben teuer. Das Fahrrad war nicht neu, dafür hatte es Ballonbereifung, was selten war. Es sollte der Bequemlichkeit förderlich sein, war in meinen Augen jedoch nur schwerfällig.

Die Fahrten hießen jetzt Geländeübungen. Verpflegung musste jeder von zu Hause mitbringen. Sie wurde sozial auf einen Haufen gelegt und dann geteilt, jeder nahm sich etwas. Ich war völlig stinkig, denn meine schöne Leberwurststulle war verschwunden und statt dessen bekam ich Marmelade mit Margarine.
Auch die Spiel waren neu, z. B. Handgranaten Übungswerfen mit Attrappen aus Holz, sich mit kurzen Feldspaten in der Sandkuhle eingraben. Es lief unter vormilitärischer Ausbildung.
Wir sangen alte Landknechtslieder.
Das riese Gelände der Likörfabrik mit Tennisplatz stand uns zur Verfügung. Der Lagerraum, ein Schuppen auf dem Gelände, den wir nutzten musste dringend renoviert werden. Wände wurde gekalkt, die Türen streichen war meine Aufgabe. Die Farbe war jedoch zu dick, um das zu ändern brauchte man Öl, wie ich wusste. Das gab es in Unmengen als Altöl in der betriebseigenen Garage.
Der Nachteil war, das die Farbe nicht mehr trocknete. Ein "Kunstwerk" von mir, sozusagen ein Denkmal von mir. Noch vielen Jahrgängen von Pimpfen wurde berichtet, wer der Künstler war.
Zur Likörherstellung gab es im Labor viele süße Sachen, Mann, Süßholz, Johannisbrot und vieles mehr. Keiner hat mit uns geschimpft, wenn wir an die riesigen Behältnisse gingen und uns bedient haben. Es war eine herrliche Zeit.
Die Kommunisten waren verboten, auch die Schalmein hörte man nicht mehr. Jetzt waren wir es die mit Pauken und Fanfarenklängen marschierten.
Großvater hüllte sich in politisches Schweigen. Großmutter freute sich, weil ich mich freute.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, man sprach von der neuen Wehrmacht. Vater sollte dabei sein, dafür stand ein Umzug nach Kiel an.
"Nein, den Jungen nehmen wir nicht von der Schule!" Inzwischen hatte ich zur höheren Schule gewechselt. Ich sollte dort, wo ich sowieso die meiste Zeit verbracht hatte bleiben. Ich wurde nicht gefragt, aber mir war es damals auch ganz Recht im gewohnten Umfeld zu bleiben.
Ein anderes Thema interessierte mich viel mehr. Eine Reise war geplant. Großvaters Pensionierung stand bevor und er wollte nach Jahren endlich wieder mal in die Heimat nach Hessen.
Damals, nicht wie heute, waren solche Reisen nicht alltäglich und noch ein großes Ereignis.

Aktuell

Zypern hat kein Geld

das weiß die Welt.
Ob es was kriegt,
dass weiß sie nicht.

What the hell is Cyprus?

Die Russen hätten es aus der Portokasse bezahlen können, bei Pleite bekommen sie es billiger.
Unsere "Hütchenspieler" haben wieder Nächte lang gegipfelt!

Narren machen mit ihren Narreteien, kleine Narren zu großen Narren.

Abschied vom Kapital, aus Simplicissimus 1929

Samstag, 23. März 2013

Stahlhelm, Scharnhorst, Hitlerjugend

Erste Veränderungen


Für die Freunde in der Straße, ergaben sich entscheidende Veränderungen, die vorherigen politischen Einstellungen der Eltern nicht beachtend, entstand eine neue Spielkultur, sogar in Uniform und mit neuen Gesängen.
Es wurde marschiert und eines der Lieder war: "Heute hört uns Deutschland und morgen die ganze Welt." Nichts dagegen einzuwenden, außer aus "hört" wurde "gehört", das später in der Praxis auch versucht wurde.

Viele der Väter waren weit weg, sie waren nicht mehr arbeitslos. Man hatte die alten Pläne des Autobahnbaus wieder hervorgeholt. Andere bauten den Westwall am Rhein.
Viele waren aber auch an Orten von denen keine Briefe nach Hause geschrieben werden durften. Es waren die, die nicht auf der Seite der NSDAP waren und dies auch unmissverständlich kundtaten.
Großmutter wiederholte sich oft: "Lass sie (die neuen Herren) sein, wie sie wollen, sie haben für Ruhe gesorgt." Sie bezog sich damit auf die politischen Unruhen der vorangegangenen Jahre. Später nannte man diese Ruhe "Friedhofsruhe". Großvater schwieg.
Die Reichsregierung nahm mit all den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, dem Abbau der Arbeitslosigkeit, den "Newdeal" der USA 1936 (Roosevelt/Keynes) vorweg. Für all diese Maßnahmen, für die sich die Nazis auch selbst lobten, wurde die Rentenkasse, damals Kapitalgedeckt, geplündert.
Alle Renten zahlt der Führer.
Es gab auch eine neue "Sparkasse". Man hatte die Autobahn schließlich nicht für einen neuen Krieg gebaut, sondern für einen sogenannten Volkswagen. Monatlich sparte man 50 RM. Es wurden Wertmarken in ein Heft geklebt, die als Anzahlung für den Volkswagen galten. Auch während des Krieges wurde noch fleißig weiter geklebt, dabei hatte der Volkswagen sich aber zu einem Kübelwagen für militärische Zwecke verwandelt.
Die Amerikaner hatten den Jeep, von dem es später hieß "The car, that won the war."

Politisch herrschte, wie man es als Kind sah, Ruhe, vielleicht eine Grabesruhe. Die Kindheit hatte sich verändert. Auf dem Gelände meiner Schule hatten die Pimpfe einen kleinen Anbau erobert. Auch in der Likörfabrik Plesse stand ein kleiner Lagerraum zur Verfügung.
Der Frontkämpferbund Stahlhelm hatte die Machtübernahme 1933 überlebt. Hitler benutzte den Stahlhelm, wie auch die alte (Rest)Wehrmacht, zur Stärkung seiner Position.
Schon 1931 hatte die NSDAP mit dem Stahlhelm unter anderen, einen kurzfristigen Zusammenschluss zu einer Tagung, unter dem Namen Harzburger Front.
Nach der Machtübernahme wurde der Stahlhelmführer Seldte, von ihm hing ein Bild bei den Großeltern an der Wand, Reichsarbeitsminister.
Die Stahlhelmer waren gespalten, viele sahen es als Verrat an. Es herrschte große Aufregung innerhalb der Gemeinschaft.
Franz von Papen, eine schillernde Gestalt der Weimarer Republik, jetzt Vizekanzler, erließ folgende Vereinbarung:

Aus "Der Staat der Arbeit und des Friedens"


 

 

Aktuell

Streik, Streik, Streik

Löhne sind seit mehr als 10 Jahren zum Wohle des Exportweltmeisters, mit Duldung der Gewerkschaften, vernachlässigt worden.


Aus: Handelsblatt, 19.07.1988



Freitag, 22. März 2013

Schule nach der Machtergreifung

Gravierende Änderungen im Schulalltag nach der Machtübernahme stellte ich auch aus Gründen der mangelnden Erkenntnisfähigkeit eines 9jährigen vorerst nicht fest. Bis nach einiger Zeit, ich kann nicht sagen wie lang es war und aus welchen Gründen dieses Ereignis erfolgte, passierte folgendes:

Ein "Kuckuck" wurde von einem "Kanarienvogel" abgelöst.
Kuckuck war der Name unseres Direktors, kein Spitzname, er hieß wirklich und wahrhaftig so. Ich kann mich nicht so recht an Ihn erinnern.
Er wurde abgelöst von einem neuen Direktor, dieser wurde auf Grund seiner Uniform der Kanarienvogel genannt. Gelb war die Farbe der Uniformen der Funktionsträger der neuen Herren, den Nationalsozialisten.
Mit gleicher Uniform lief auch ein "Hohes Tier" der gleichen Partei durch Wulsdorf. Dieser Funktionsträger machte sich auf Grund seines Verhaltens überall, sogar bei der eigenen Partei unbeliebt. Dazu sprach er dem Alkohol übergebührlich zu. Bei einem solchen Repräsentanten dieser Partei, hätte man zu dem Zeitpunkt eigentlich schon vorhersehen müssen, was die Geschichte dann brachte.
Größere Veränderungen im Lehrkörper gab es erst später mit Auftauchen der ersten Junglehrer/innen, deren Meinungsbildung während ihrer Ausbildung schon unter anderem Einfluss gestanden hatte, als die unserer alten Lehrer.
Einer von ihnen war ein strammer Nazi, er unterrichtete sogar in Uniform. Dabei war er auch ein Reformer und brachte frischen Wind mit, haltet Euch fest liebe 68er, alle sollten sich duzen.
Revolution für drei Tage, die "Alten" sprachen sich energisch dagegen aus und wiesen den Junglehrer in seine Schranken. Wir waren wieder beim Sie.
Unsere Klassenlehrerin wurde oft zum Rapport beim neuen Direktor befohlen. Das diese Besuche nicht angenehm waren, merkten wir an dem veränderten verhalten nach ihrer Rückkehr zum Unterricht. Sie stampfte in der Klasse auf und ab, wir mussten auf ihre Handzeichen achten, die sie zur Tonleiter machte und singen: "Do, Re, Mi, Fa, So, La, Ti, Do." Die wir rauf und runter brüllen mussten. Wer draußen vorbei ging, glaubte an einen intensiven Unterricht, dabei war das nur die Art, wie Fräulein Knüppel sich abreagierte.

Aktuell

Rentenerhöhung 2013

Für die alten Bundesländer 0,29%, für die neuen Bundesländer 3,29%.
Bei einem Kaufkraftverlust (umgangssprachlich: Inflation) von ca. 1,8% verpufft im Westen die Erhöhung ins Minus.

Im folgenden lesen sie bitte unsere Ausführungen in einem Referat, das wir bereits 1970 gehalten haben.





































Fortetzung folgt.

Dienstag, 19. März 2013

18. März in drei Jahrhunderten

Noch 'ne Flaggengeschichte


Gestern war der 18. März. Im DLF wurde dieses Thema behandelt und das Fazit war, dass es eigentlich ein Gedenktag für die Märzgefallenen in Berlin des Jahres 1848 sein sollte.
Dieses Ereignis löste die Revolution von 1848 in den deutschen Staaten aus. Die Paulskirche in Frankfurt/M. war Versammlungsort.
In der Verbindung mit diesen Versammlungen tauchte erstmals die Flagge mit den Streifen in den Farben schwarz-rot-Gold auf.

Dabei fiel mir folgende Geschichte ein, die sich auch um den 18. März, diesmal 1945, ereignet haben muss.

Jeden Morgen wurde bei Sonnenaufgang die Flagge gehisst. Diese war, gegen die Vorschrift, nach einem System aufgerollt, das die Flaggen auch bei Sturm gut zu hissen waren. Man riss sie mit dem Flaggenseil einfach von unten auf, dieses galt aber nur für die Signalflaggen, die zur Verständigung der Schiffe untereinander dienten. Bei der Reichsflagge war das verboten.
Als der Matrose sie hisste, riss er sie von unten auf. Ich stand zu dem Zeitpunkt auf der Brücke mit dem Zweiten Wachhabenden. Dieser regte sich furchtbar über die falsch aufgerollte Reichsflagge auf. Daraufhin meinte ich: "Es ist doch ganz egal, wie der "Schankerlappen" hochkommt." 
-Die Reichsflagge wurde von den Seeleuten untereinander als Schankerlappen bezeichnet, natürlich nur solange kein "100%iger" Nazi dabei war. Schanker ist Syphilis und wurde mit antiseptischen Verbänden behandelt, die gebrauchten Verbände waren Schankerlappen.-
Der Zweite war so einer, was ich in dem Moment aber nicht bedachte. Wir hörten auch immer BBC, den Feindsender, unter Ausschluss des Zweiten.
Seine Wut steigerte sich noch mehr, die Beleidigung der Reichsflagge ging zu weit. Ich musste zum Kapitän. Was der Zweite nicht wusste, auch unser Kapitän hörte BBC mit und stand der ganzen Sache Kritisch gegenüber.
Mit einer Entschuldigung beim Zweiten und Reue zeigen kam ich davon. Wie gut, es waren nämlich nicht mal mehr zwei Monate bis zum Kriegsende und es hätte für mich noch schlimm ausgehen können.





Montag, 18. März 2013

Papst heute, Papst gestern und William Müller

Aktuelles mal vorweg

geht fließend ins Historische über


Am Freitag 15.03.2013, der Monat wird geteilt. Als erstes DLF-Radio Frühsendung gehört.
Börsen: Dax Deutsch, Dow Jones USA, Rekordhöchststände. Aktien auch Tokio im Tagesplus, Weltbenchmarks im minus nur Europa und USA im plus. Beim Jahresabschluss 2012 waren alle Benchmarks im Plus. Heute an den Börsen Hexensabbat/Triple-Witching-Day. An diesem Tag müssen die Zocker glattstellen, kaufen oder zukaufen, es kann immer ein wilder Tag werden.

Aus einem römischen Schornstein quoll weißer, mehr grauer Rauch und bescherte uns einen neuen Papst aus Argentinien. Italien wünschte sich nach all den Ausländern mal wieder einen italienischen Papst. Er hat italienische Wurzeln, somit können sie ihn vielleicht verstehen. Er soll seinen Doktor in Deutschland gemacht haben, vielleicht spricht er für uns deutsch (wie Kauder es wünschte). Sein Abschluss in Deutschland wurde jedoch sofort dementiert.

Der neue Papst ist vom Jesuitenorden, Jesuit war früher ein Schimpfwort. Der Orden hat eine andere Einstellung zu Hierarchien. Der neue Papst kreierte auch einen neuen Papstnamen. Laut Medienmeldungen gleich nach der Wahl Franziskus I., nach Franz von Assisi. Nur so lange es keinen 2. gibt, gibt es auch keinen ersten. Also einfach Franziskus.

Bei Schiller, Die Räuber" 1781, finden wir den Satz: "Franz, heißt die Kanaille."

Der einfache Franz lateinisiert, wird zum Franziskus. War früher schon mal Mode. Wir haben in unserer Ahnenreihe ebenfalls studierte Pastoren der Uni Marburg, zum Beispiel mit Namen Voltz, der sich dann Voltzius nannte.
Wie wurde damals der alte deutsche Name Blei lateinisiert, er wurde zu "Plumbum". Zurück "germanisiert" im norddeutschen Raum, wurde er dann zu Pflaumbaum.
Menschen sind erfinderisch, aber auch der neue Papst kann nicht übers Wasser laufen.

Die Presse schießt sich schon darauf ein, was tat er während der Militärdiktatur in Argentinien.

Lateinisch spricht unser "Neuer" auf jeden Fall. Es war einmal die Weltsprache, mit der die Intelligenz kommunizierte.

Hätte der Brasilianer das Rennen gemacht, hätten nur die Portugiesen ihn verstehen können oder auf Grund seiner deutschen Wurzeln hätte er vielleicht deutsch gekonnt (Kauder hätt's gefreut).

Auch China hat einen neuen Präsidenten. Xi hat Li abgelöst, allerdings ohne Rauch und ohne Demokratie.

Mit Rauch könnten wir es in Deutschland auch einmal versuchen. Ohne Wahlkampfgetöse, jedoch mit Rauch in den Farben der Parteien, schwarz, rot, gelb, grün.

Jetzt habe ich wie ein Filibuster (ist der, der im amerikanischen Parlament redet bis die Feierabendglocke läutet, gut das es bei uns eine Minutenbegrenzung gibt) gequasselt und bin noch gar nicht zu dem gekommen, was ich eigentlich erzählen wollte.

Durch den ganzen Wirbel um den Papst, ist mir nämlich eine passende Geschichte aus dem Jahr1948/49 eingefallen, die ich hier heute gerne vorziehen möchte, auch wenn ich in der Zeit eigentlich erst bei 1933 bin.

Es geht um "William Müller", der wenn man ihn googelt in einem Bericht in einem "Spiegel" von 1950 auftaucht, dies ist die Vorgeschichte.

Ich war seit Kriegsende bei der amerikanischen Besatzungsmacht in Bremerhaven. Die Zeiten waren schlecht und wir führten die Buchhaltung sehr kreativ, um hier und da einen, oder auch mehrere, Dollar abzuzwacken.

Das heilige Jahr in Rom 1950 stand bevor. Ein seltenes Ereignis und in diesem Jahr sollte Maria von Papst Pius II. in Rom heilig gesprochen werden.

Der neue wirtschaftliche Aufschwung, unter Erhard -soziale Marktwirtschaft-, mit dem neuen Geld sollte verwirklicht werden.

An dem Boom wollten auch ein Teil meiner Leute, die ich, mittlerweile als Supervisor, beaufsichtigte, teilnehmen. Es dauerte bis ich ihnen auf die Schliche kam, denn als frisch gebackener Chef gehörte ich nicht mehr zum Kreis der Eingeweihten.
William Müller, er war der Soda-Fountain-Manager, eine Art Eisdiele, im Club Little America, wollte ein Schiff chartern um Pilger nach Rom zu schaukeln. 

"Little America" (Seebeck am Markt); aus Vorort von New York, Rüdiger Ritter





Irgendwie wurde bereits die Mannschaft zusammengestellt. Einen Kapitän hatte man, nur noch kein Schiff. Der Koch Albin B. auch vom Club Little America stellte den Speiseplan auf und bereitete schon die Proviant-Einkaufslisten vor. Einen Zahlmeister gab es und sogar juristischen Rat von einem stadtbekannten Dr. Dr. jur.

In der Mitte Albin B., der Koch; aus Vorort von New York, Rüdiger Ritter

Rechts Albin B., links ich, die Frau unbekannt

Mittlerweile war ich eingeweiht und konnte Rat im seemännischen geben. Doch ich zweifelte an der Unternehmung. Es kam der Tag der Entscheidung, der Kapitän mit einer Abordnung, der Dr. jur. und William Müller fuhren nach Genua, um den Dampfer abzuholen.
Sie kamen "bedröppelt" zurück. Der ins Auge gefasste Dampfer war ein alter Kahn und lag auf Grund.

Leider weiss ich nicht genau, ob sie ein zweites mal gefahren sind. Da in meiner Erinnerung, das oben geschilderte vor 1950 lag. Zur Zeit des Spiegel Berichtes arbeiteten wir nämlich bereits nicht mehr zusammen.

Leider ist auch bei der Recherche im Internet nicht mehr heraus gekommen. Wer Näheres weiss, darf sich gerne bei mir melden.

Euer Heinz