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Samstag, 23. März 2013

Stahlhelm, Scharnhorst, Hitlerjugend

Erste Veränderungen


Für die Freunde in der Straße, ergaben sich entscheidende Veränderungen, die vorherigen politischen Einstellungen der Eltern nicht beachtend, entstand eine neue Spielkultur, sogar in Uniform und mit neuen Gesängen.
Es wurde marschiert und eines der Lieder war: "Heute hört uns Deutschland und morgen die ganze Welt." Nichts dagegen einzuwenden, außer aus "hört" wurde "gehört", das später in der Praxis auch versucht wurde.

Viele der Väter waren weit weg, sie waren nicht mehr arbeitslos. Man hatte die alten Pläne des Autobahnbaus wieder hervorgeholt. Andere bauten den Westwall am Rhein.
Viele waren aber auch an Orten von denen keine Briefe nach Hause geschrieben werden durften. Es waren die, die nicht auf der Seite der NSDAP waren und dies auch unmissverständlich kundtaten.
Großmutter wiederholte sich oft: "Lass sie (die neuen Herren) sein, wie sie wollen, sie haben für Ruhe gesorgt." Sie bezog sich damit auf die politischen Unruhen der vorangegangenen Jahre. Später nannte man diese Ruhe "Friedhofsruhe". Großvater schwieg.
Die Reichsregierung nahm mit all den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, dem Abbau der Arbeitslosigkeit, den "Newdeal" der USA 1936 (Roosevelt/Keynes) vorweg. Für all diese Maßnahmen, für die sich die Nazis auch selbst lobten, wurde die Rentenkasse, damals Kapitalgedeckt, geplündert.
Alle Renten zahlt der Führer.
Es gab auch eine neue "Sparkasse". Man hatte die Autobahn schließlich nicht für einen neuen Krieg gebaut, sondern für einen sogenannten Volkswagen. Monatlich sparte man 50 RM. Es wurden Wertmarken in ein Heft geklebt, die als Anzahlung für den Volkswagen galten. Auch während des Krieges wurde noch fleißig weiter geklebt, dabei hatte der Volkswagen sich aber zu einem Kübelwagen für militärische Zwecke verwandelt.
Die Amerikaner hatten den Jeep, von dem es später hieß "The car, that won the war."

Politisch herrschte, wie man es als Kind sah, Ruhe, vielleicht eine Grabesruhe. Die Kindheit hatte sich verändert. Auf dem Gelände meiner Schule hatten die Pimpfe einen kleinen Anbau erobert. Auch in der Likörfabrik Plesse stand ein kleiner Lagerraum zur Verfügung.
Der Frontkämpferbund Stahlhelm hatte die Machtübernahme 1933 überlebt. Hitler benutzte den Stahlhelm, wie auch die alte (Rest)Wehrmacht, zur Stärkung seiner Position.
Schon 1931 hatte die NSDAP mit dem Stahlhelm unter anderen, einen kurzfristigen Zusammenschluss zu einer Tagung, unter dem Namen Harzburger Front.
Nach der Machtübernahme wurde der Stahlhelmführer Seldte, von ihm hing ein Bild bei den Großeltern an der Wand, Reichsarbeitsminister.
Die Stahlhelmer waren gespalten, viele sahen es als Verrat an. Es herrschte große Aufregung innerhalb der Gemeinschaft.
Franz von Papen, eine schillernde Gestalt der Weimarer Republik, jetzt Vizekanzler, erließ folgende Vereinbarung:

Aus "Der Staat der Arbeit und des Friedens"


 

 

Aktuell

Streik, Streik, Streik

Löhne sind seit mehr als 10 Jahren zum Wohle des Exportweltmeisters, mit Duldung der Gewerkschaften, vernachlässigt worden.


Aus: Handelsblatt, 19.07.1988



Freitag, 1. März 2013

Feuerwehr

Feuerwehr

Ein erlaubter, da politisch unverfänglicher, Freizeitspass war die Jugendfeuerwehr. Grossvater, der selbst ein Feuerwehrmann bei der freiwilligen Feuerwehr war, legte kein Veto ein. Im Gegenteil, er hat auch einiges zur Ausrüstung beigetragen, wie zum Beispiel Schläuche.
Wir Jungen nahmen die Sache sehr ernst. Der Hauptmann war einer von den älteren Jungs. Er wurde später sogar Berufsfeuerwehrmann bei der städtischen Feuerwehr. Wir hatten Rangabzeichen, wie die richtigen Feuerwehrleute. Da unsere Schultern ein wenig zu schmal für die Schulterstücke waren, baumelten diese an den Seiten herunter. Herrmann Koch trug einen echten preussischen Polizeihelm, regelte den Verkehr und hielt die Gaffer fern.
Die Ereignisse der grossen Weltgeschichte rauschten ohne grösseren Eindruck zu hinterlassen an mir vorbei.
Ich sammelte Zigarettenbilder mit Schauspielern und Flaggen aus aller Welt.
Wie Grossvater, der Stahlhelmer, war auch ich Mitglied bei den Stahlhelmen und zwar der Jugendgruppe, die sich nach dem alten Preussengeneral Scharnhorst "Scharnhorst-Jugend" nannte.
Schwarze Hose, weisses Hemd, die alten preussischen Farben, mit dem Kreuz der Ordensritter aus dem Osten. Ein Lied, was wir immer sangen war: "Wir sind wie ihr ein graues Heer und ziehen in Gottes Namen." Wildgänse rauschen durch die Nacht.
In unserer Gegend war ich der einzige "Scharnhorster". Die Mitschüler, die Freunde von der Strasse hatten andere Interessen. Ich war irgendwie ausgegrenzt, wie seltsamerweise auch die wenigen, die in die katholische Schule gingen.
Grossvater liess mir eine Menge Freiheit und widmete sich seinen Interessen Angeln, Schrebergarten und seinen Bienen und Karnickeln.
Später nannte man das "innere Immigration".


Aktuell

Italien hat gewählt

In alter Zeit hielten sich Fürsten, Narren um grausame Wahrheiten über sich selbst zu hören. Die Bezahlung war fürstlich, daneben diente es dem Volk als Belustigung. Oft wurde ein Narr, der es zu toll trieb ein Kopf kürzer gemacht.
Heute bezahlt das Volk die Narren da oben fürstlich. Was sie zu sagen haben ist keine Wahrheit. Köpfe rollen auch, wenn auch nicht physisch. Ich will damit unserem Kanzlerkandidaten für seine Clownereien nicht zustimmen. Man könnte es mit dem Satz meiner Grossmutter abtun: "Das tut man nicht!"
Popov, Russland, Grock, Schweiz, aber auch alle anderen Clowns würden sich über den Vergleich ärgern. In Hannover gibt es sogar eine Schule für Clowns.
Wir hatten schon mehrere, die von sich behaupteten Klartext zu sprechen, zum Beispiel Strauss und Wehner. Beide wurden aber auch nicht Bundeskanzler.
Parallel bedeutet es jetzt, dass wir "Mutti" behalten.
Wenn Brandt damals als Kanzler, bei seinen vielen Bemühungen im Osten, Klartext gesprochen hätte und denen den Spiegel vorgehalten hätte, hätten sie wie unser Kanzlerkandidat in Sachen Schweiz die Kavallerie losgeschickt.
In grauer Vorzeit zog schon einmal einer über die Alpen durch die Schweiz mit der "Elefantellerie", sehr viel schwergewichtiger als Kavallerie.