Ein einmaliges Zeitdokument aus einem 90jährigen Leben, verbunden mit profundem Wissen in Wirtschaft und Politik. Der Letzte seiner Art.
Montag, 30. März 2015
RETOUR
Es ging wieder über den Atlantik. Bis Bremerhaven wieder nächtliches Deckschrubben. Eine Abwechslung war die gelegentliche Telefonwache. Man saß in einem kleinen Kabuff. Mir war die sicherlich wichtige Bedeutung dieser Aufgabe nicht bekannt, aber ich hoffte immer, dass das Telefon nicht klingeln möge. Es tat mir den Gefallen und schwieg. Das Gute an der Wache war, dass es immer eine Riesenkanne Kaffee, und noch wichtiger für mich, ein ganzes Paket Würfelzucker gab. Das überstand die Wache nie. Zu Feierabend um vier Uhr besuchte ich die Bäckerei. Die ersten warmen Brötchen, aufgebrochen mit etwas Butter darin, eine Delikatesse, die nicht wenig zu meinem "Lloydbäuchlein beitrug.
Die "Bremen" hatte rund 1000 Mann Besatzung. Wir waren Wanderer zwischen den Welten, wie sie verschiedener nicht sein konnten für mich. Zweimal im Monat im Wechsel Bremerhaven - New York. Was mir als erstes auffiel, in Deutschland trug zwar nicht jeder eine Kravatte, aber es lief auch keiner, wie vielfach in New York im Unterhemd durch die Strassen. Dafür gab es sehr viele "schicke" Uniformen.
Zu Hause wollte man wissen, ob ich die Freiheitsstatue gesehen hätte. Hatte ich nicht, aber das wollte ich nicht zugeben und so gab ich eine Beschreibung ab, wie noch keiner die alte "Dame"gesehen hat. Ich nahm mir aber fest vor, auf einer der nächsten Touren das Versäumte nachzuholen.
Meine alten Freunde in Bremerhaven waren mir fremd geworden.Herbert Hartmann, der Fischdampfermatrose, mein Begleiter durch die nächtliche Vergnügungswelt von Bremerhaven war oft auf See, so streifte ich allein durchs Nachtleben. An fast jeder Ecke war eine Kneipe, also pro Kreuzung vier! Es hiess damals:" Selbst wenn man in jeder nur ein kleines Bier- damals noch 0,2 Liter- trinkt, kommt man nicht durch die ganze Stadt". Die Bar "Tarantella" war beliebt. Die Kneipiers waren oft frühere Lloydstewards. Die Besatzungen ihrer ehemaligen Schiffe waren treue Stammkunden und ließen sich von ihrem alten Kollegen das Geld aus der Tasche ziehen. Ich fragte nach jeder Reise bei meinen alten Italienfahrern von der "Der Deutsche" nach Maria. Hatte sie vielleicht auf dem Schiff nach mir gefragt?
Die zwei Tage Liegezeit waren schnell herum und es ging wieder an Bord.
HOBOKEN
Jetzt war ich ein Amerikafahrer. Meine erste größere Tour durch New York ging damit los, die Auftrage aus der Heimat zu erfüllen. Willis Büffelkopfgürtel und die Lockenschere für die Nachbarin. Doch zuerst wollte ich die Schallplatte bei Herberts Tante in Hoboken abgeben.
An der Pier gab es ein Telefon, reichlich fremd. Ich fand keine Wählscheibe." Hello?" kam es aus dem Höhrer." Hello?" - wohl das meist benutzte Wort in Amerika beim telefonieren- "Hoboken 3-2878". Diese Telefonnummer werde ich, weil viel geübt, nie vergessen. "Hello!" Was noch? Ah ja! Money in den Schlitz! 5 cent, 1 Nickel.
Ein Nickel
In Amerika schien alles einen Nickel zu kosten. Ganz Amerika war "vernickelt". "Coca Cola", Subway, Bus, Kaffee, zweite Tasse frei, oder auch satt, alles ein Nickel; bei Kaffee auch kein Wunder. Trotz des schönen Namens "Maxwell" war es dünne Plörre. Kaugummi, ein Nickel; alles kaute, dann klebte es auf der Strasse. An allen möglichen Orten standen "Wurlitzer" juke boxes, auch "nickel odeon" genannt. 5 Cents, ein Nickel, was sonst, und ab ging die Musik: "Rosamunde", die "böhmische Polka", "The donkee serenade" oder: "Roll out the barrell, roll out the barell of beer. Die Kästen machten sogar für sich selbst Reklame: "Put another nickel into the nickel odeon".
Ich versuchte, Tante Lissies telefonischer Wegbeschreibung zu folgen: Zwei Blocks bis zur 42. Strasse, 42.street ferry über den Hudson nach New Jersey, Weehawken Bus.
Mein Schulenglisch war keine grosse Hilfe beim Durchfragen nach der 42. Strasse. Die Strassenschilder waren nicht wie zu Hause "ordentlich" an den Häusern angebracht, sondern an irgendwelchen Pfählen irgendwo an den Strassenecken. Warum überhaupt
Nummern statt Namen? Alles war sehr verwirrend für mich. Wenn ich fragte, wurde ich immer nur zu irdendwelchen Blocks geschickt. An jeder Strassenecke begann ein Block. Als ich es begriffen hatte, merkte ich,wie praktisch diese Einteilung war. Ich fragte wieder:
" Is this the fourty two street?" Antwort: "No, this is the fourty second street". Eine humorvolle Antwort. Da entdeckte ich auch das Schild an einem Laternenpfahl. Fourty second werde ich nie vergessen.
In einem Gebäude schien ein Kino zu sein.Ich hatte lange schon keinen Film mehr gesehen und opferte einen Quarter, 25 cents. Das Publikum johlte. Es wurde geraucht und getrunken, untermalt von Gelächter und Babygeschrei. Aus Riesentüten wurde Pop Corn gefuttert. Mais kannte ich nur als Hühnerfutter. Später lernte ich, dass man ganze Kolben essen konnte; mit Salz und triefend vor Butter.
Von Kinntopp keine Spur.Auf der Bühne wurde herum gehopst. Die Attraktion sollten wohl ein paar spährlich bekleidete Damen sein, die, als wären sie Dekoration, reglos herum standen. Man erklärte mir, dass ich in einem "French Follies" gelandet sei. Es war Einiges erlaubt, es wurde Einiges geboten, aber es war den Damen verboten, sich zu bewegen. Ich hatte mich auf Kino gefreut. Der Quarter tat mir noch lange leid.
In Hoboken fand ich keine Bushaltestelle. Die gab es in New York auch nicht. Man winkte einfach einem heran nahenden Bus. Der Busfahrer sprach Deutsch, wie die meisten Menschen dort. Als ich ihm die Adresse nannte, erwiderte er:" Ick lat di dor rut". Hoboken war fest in deutscher Hand.
Tante Lissies Haus, war ein "boarding house", eine Art Pension mit Verpflegung und Familienanschluss. Sie war eine richtige runde Tante, wie man sie sich vorstellt. Sie freute sich, etwas aus der Heimat zu hören. Insbesondere, mit Tränen in den Augen, die "Nordseewellen" auf dem Grammophon.
Als Erstes aber wurde ich im Bekanntenkreis herum gereicht. Hier lernte ich die gebutterten Maiskolben kennen, traute mich aber nicht, etwas so Fremdes zu probieren. Sieht er verhungert aus? Mein "Lloydbäuchlein" beantwortete die Frage von selbst. Erst später verstand ich den Sinn der Frage. Man lebte gedanklich noch im Amerika der dreissiger Jahre mit sechs Millionen Arbeitslosen. Doch diese Zeit war längst vorüber. 1936 hatte Roosewelt mit Hilfe von Keynes durch den "new deal" die Wirtschaft angekurbelt. Die Rezession war beendet. Alle waren in Lohn und Brot.
Was ich in Deutschland noch nicht kennen gelernt hatte, erlebte ich in Amerika- Judenhass. "Du siehst ja gar nicht verhungert aus. Das ist alles Propaganda der Juden, man sollte nochmal in die 42.Str., die Juden bescheissen und dann zurück nach Deutschland.
Um die Ecke hatten die Millers ihren"Delicatess Store". Es schien , als seien alle diese Läden in New York in deutscher Hand. Hier gab es rund um die Uhr alles, was essbar war. Hatte jemand um Mitternacht Appetit auf ein Chicken Sandwich, dann auf zu Miller.
In deren Sohn Fredy fand ich einen Freund. Er ging noch zur Schule, war Anführer einer Strassengang, die, ich dabei, Hoboken unsicher machte. Mein Name war "fifty eight". Den hatte ich von Vater Miller. "Heinz Soup" gab es in 57 Variationen. Ich war die achtund-fünfzigste.
Vater Miller hatte sich ein Auto gekauft. Um den Stolz und die Bedeutung auszudrücken, hiess es immer:" A 2000 Dollar car". War auch ein stolzer Preis für ein Auto. Zum Einkauf, wir Jungs fuhren mit, ging es durch den Lincoln Tunnel. Wir besuchten eine "Life Poultry". Wieder viel Neues. Die Fahrt durch durch den Tunnel war kostenpflichtig. Sicherlich mehr als ein Nickel. Die Life Poultry war ein großer Schuppen voller Käfige mit Geflügel aller Art. Man suchte sich eine fette Henne aus. Sie wurde geschlachtet und gerupft und lag bald gekocht und zerteilt zwischen Sandwichscheiben in Millers Store.
Alles war neu und spannend für mich. Meine Freizeit in New York verlebte ich jetzt immer bei Tante Lissy und den Millers.
Mittwoch, 11. März 2015
Ahoi! Da bin ich wieder.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich meinen Bericht nicht fortsetzen. Doch jetzt geht es weiter. Ob ich bis zum Kriegsende 1945 komme,steht altersbedingt in den Sternen geschrieben. Vorab eine kleine Vorschau:
I.
1939 "D.Bremen" Bremerhaven - New York
II.
Bei Kriegsausbruch Blockadebrecher nach Murmansk; per Bahn nach Leningrad,dann mit der "Sierra Cordoba nach Bremerhaven.
III.
"D.Potsdam" Umsiedlung der Baltendeutschen,immer Riga-Gotenhafen hin und her
IV:
"Unitas II", Fängerboot der Walfangflotte; 1939-40 im strengen Winter Freihaltung des Hamburger Hafens und Versorgung der festgefrorenen Schiffe;dann als Lotsenwohnboot bei den Minensperren in der Ostsee - Station Warnemünde und Flensburg; 1940 Abmusterung
V.
"D.Bremerhaven" (Union) in Stettin-Pölitz , Wohnschiff für ca. 1000 polnische Zwangsarbeiter für Aufbau eines Hydrierwerks. Tragische Erlebnisse
VI.
Beförderung zum Matrosen und nach Danzig-Neufahrwasser; "D.Brake" (Union) für den "Seedienst Ostpreussen"
VII.
10.02.43 Verhaftung durch Gestapo Danzig; Lagerhaft bis 10.02.45
VIII.
03.03.45 "D.Benue" und "D. Mungo" der Woermannlinie; für den "Endsieg" noch auf der Unterelbe, unter Feindeinwirkung Übersetzung von Truppen der Westfront zum Kampf gegen die Russen
IX.
Kapitulation 08.05.45 ; im Juli nach Helgoland, um die letzten ca. 2000 Soldaten ab zu holen; Schiff wird abgeliefert in Firth of Forth; Rückreise als Passagier auf der "Ubena" (Woermann Linie)
In Hamburg Entnazifizierung; Ende der Seefahrt
Dienstag, 10. Juni 2014
New York - That city, that doesn't sleep!
Vor New York passierten wir die Neufundland Bänke, das Nantucket Fireship, dann in den Hudson, an der Freiheitsstatue und dem Battery Park vorbei, zum Pier 86, dem Lloyd Pier.
Neben uns die Piers von Frankreich mit der Normandie, von Italien mit der Rex und die Briten mit der Queen.
Deck waschen nicht mehr nötig, Eisberge seltener, keine Temperaturmessungen mehr.
Warum heißen Eisberge auf englisch Iceberge und nicht Icehills oder -mountains?
Auf letzter 0-4 Wache können wir für unsere Passagiere noch einiges tun. Das Gepäck sorgsam für den Landgang vorbereiten. Mit dem Fahrstuhl aus der achtersten Luke ins Oberdeck, genannt "Cocktail-Shaker". Ein Deck über den vier Schrauben (Propellern) deren Wucht alles zum Zittern bringt. Wenn Wände und Decken "flattern" ist der Krach entsprechend.
Ende der Seereise, alle Passagiere gingen von Bord.
Unsere Passagiere waren in der ganzen Welt zu Hause, dass sah man an den damals üblichen Hotelaufklebern an den riesigen Schrankkoffern.
Anfang Sommer 1939 fiel der Mannschaft so einiges auf. An der Menge der Koffer sah man, dass auf der Route Bremerhaven-New York noch alles wie immer war. In die andere Richtung wurden die Koffer und somit Passagiere immer weniger.
Die Wache war die Zeit für Gespräche. Ich hörte zum Beispiel: "Jetzt haben sie schon die koschere Küche geschlossen." Ich wusste gar nicht was das war.
Durch die längere Abwesenheit, durch die Südamerikareise, war es an der Pier lebhaft. Viele von der Mannschaft hatten Freunde/Verwandte in New York. Auch die Polizei wartete schon sehnsüchtig. An der Pier immer ein halbes Dutzend "Harleys", das Fortbewegungsmittel der US Polizei. Die "Policemen" belagerten unsere Mannschaftsbar. Alle sprachen deutsch, die Hälfte der New Yorker Polizei sollte angeblich Deutsche sein, der Rest Iren. Sie kamen um mal wieder echten deutschen "Gerstensaft" zu genießen. Die Mannschaftsbar war dann fest in Händen der New Yorker Polizei. Bier gab es ja aber nur gegen Biermarken. Besatzungsmitglieder versorgten die Polizisten mit ihren nicht genutzten Biermarken, die sie gegen harte Dollars tauschten und erhöhten damit ihre Devisenkasse.
Der Hintergrund für unseren ständigen Geldmangel in der jeweiligen Landeswährung lag in der damals knappen deutschen Devisenwirtschaft. Es wurden im Monat nur 10 Reichsmark pro Person in Dollar ausgegeben. Das waren ca. 4 Dollar. Devisen waren knapp in Deutschland. Der "Führer" sagte: "Es gibt zuviele Devisenschieber."
Wie schiebt man Devisen? Hatte das vielleicht auch etwas zu tun mit dem Gold, was wir auf einer Reise in Southhampton übernahmen? Kilobarren von Hand zu Hand in langer Kette bis in den Safe.
Irgendjemand meinte: "Ich werde meine Hände nie wieder waschen!"
Es hieß: "Schiffe vom Norddeutschen Lloyd sind auch für Goldtransporte die sichersten Schiffe." Mussten die Engländer etwa noch Schulden aus dem 1. Weltkrieg an die Amerikaner tilgen?
Als alle Arbeiten erledigt waren ging es, endlich an Land. Meine ganz persönliche Inbesitznahme von New York fing wieder mit der Nase an. Ich konnte meine Geruchssammlung von Häfen um einen erweitern.
New York ein Naturwunder. Dazu gehörte auch das ich immer munter und mopsfidel war in New York. Es waren wohl die neuen Eindrücke und das spannende Geschehen dieser Stadt, die mich nicht ermüden ließen.
Einen Umstand den ich ausnützte, um New York zu erkunden. Hier hatte ich auch Zeit, denn es fiel wenig Arbeit für die Decksbesatzung an, es war die Gelegenheit Überstunden abzubauen und somit hatte viel Freizeit zur Verfügung.
Ich verliebte mich in New York, es war alles so neu.
Indianer erwartete ich nicht, die hatte man, so hatten wir in der Schule gelernt ausgerottet. Das gab es in Deutschland nicht. Die Hereros, die Hottentotten, das war weit weg, das zählte für mich nicht mehr. Und das die Zukunft viel Schlimmeres bringen würde wusste man noch nicht.
In New York sah ich meinen ersten Neger. Auf den Straßen, in der Menge fiel mir keiner auf. Es lag aber daran das etliche Stadtteile zu der Zeit noch "weiß" waren.
In der U-Bahn saß mir dann ein dicker schwarzer Mann gegenüber. Heute kann ich nicht mehr sagen, ob es damals gemischte Abteile gab und ich in einem "falschen" Abteil gelandet war. Glücklicherweise fiel ihm aber mein unverhohlenes Interesse an ihm nicht auf.
Aber wo waren die vielen Cowboys? Im Centralpark gab es Polizisten auf Pferden. Hatte man das in Bremerhaven schon gesehen. Alles war anders.
Der Centralpark war für mich beängstigend groß und ich habe mich dort einige Male verlaufen.
Noch ein paar Bilder:
Neben uns die Piers von Frankreich mit der Normandie, von Italien mit der Rex und die Briten mit der Queen.
Deck waschen nicht mehr nötig, Eisberge seltener, keine Temperaturmessungen mehr.
Warum heißen Eisberge auf englisch Iceberge und nicht Icehills oder -mountains?
Auf letzter 0-4 Wache können wir für unsere Passagiere noch einiges tun. Das Gepäck sorgsam für den Landgang vorbereiten. Mit dem Fahrstuhl aus der achtersten Luke ins Oberdeck, genannt "Cocktail-Shaker". Ein Deck über den vier Schrauben (Propellern) deren Wucht alles zum Zittern bringt. Wenn Wände und Decken "flattern" ist der Krach entsprechend.
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| Aus "Die Bremen kehrt heim" Hanns Tschira. |
Ende der Seereise, alle Passagiere gingen von Bord.
Unsere Passagiere waren in der ganzen Welt zu Hause, dass sah man an den damals üblichen Hotelaufklebern an den riesigen Schrankkoffern.
Anfang Sommer 1939 fiel der Mannschaft so einiges auf. An der Menge der Koffer sah man, dass auf der Route Bremerhaven-New York noch alles wie immer war. In die andere Richtung wurden die Koffer und somit Passagiere immer weniger.
Die Wache war die Zeit für Gespräche. Ich hörte zum Beispiel: "Jetzt haben sie schon die koschere Küche geschlossen." Ich wusste gar nicht was das war.
Durch die längere Abwesenheit, durch die Südamerikareise, war es an der Pier lebhaft. Viele von der Mannschaft hatten Freunde/Verwandte in New York. Auch die Polizei wartete schon sehnsüchtig. An der Pier immer ein halbes Dutzend "Harleys", das Fortbewegungsmittel der US Polizei. Die "Policemen" belagerten unsere Mannschaftsbar. Alle sprachen deutsch, die Hälfte der New Yorker Polizei sollte angeblich Deutsche sein, der Rest Iren. Sie kamen um mal wieder echten deutschen "Gerstensaft" zu genießen. Die Mannschaftsbar war dann fest in Händen der New Yorker Polizei. Bier gab es ja aber nur gegen Biermarken. Besatzungsmitglieder versorgten die Polizisten mit ihren nicht genutzten Biermarken, die sie gegen harte Dollars tauschten und erhöhten damit ihre Devisenkasse.
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| Aus "Die Siegesfahrt der Bremen" Adolf Ahrens |
Der Hintergrund für unseren ständigen Geldmangel in der jeweiligen Landeswährung lag in der damals knappen deutschen Devisenwirtschaft. Es wurden im Monat nur 10 Reichsmark pro Person in Dollar ausgegeben. Das waren ca. 4 Dollar. Devisen waren knapp in Deutschland. Der "Führer" sagte: "Es gibt zuviele Devisenschieber."
Wie schiebt man Devisen? Hatte das vielleicht auch etwas zu tun mit dem Gold, was wir auf einer Reise in Southhampton übernahmen? Kilobarren von Hand zu Hand in langer Kette bis in den Safe.
Irgendjemand meinte: "Ich werde meine Hände nie wieder waschen!"
Es hieß: "Schiffe vom Norddeutschen Lloyd sind auch für Goldtransporte die sichersten Schiffe." Mussten die Engländer etwa noch Schulden aus dem 1. Weltkrieg an die Amerikaner tilgen?
Als alle Arbeiten erledigt waren ging es, endlich an Land. Meine ganz persönliche Inbesitznahme von New York fing wieder mit der Nase an. Ich konnte meine Geruchssammlung von Häfen um einen erweitern.
New York ein Naturwunder. Dazu gehörte auch das ich immer munter und mopsfidel war in New York. Es waren wohl die neuen Eindrücke und das spannende Geschehen dieser Stadt, die mich nicht ermüden ließen.
Einen Umstand den ich ausnützte, um New York zu erkunden. Hier hatte ich auch Zeit, denn es fiel wenig Arbeit für die Decksbesatzung an, es war die Gelegenheit Überstunden abzubauen und somit hatte viel Freizeit zur Verfügung.
Ich verliebte mich in New York, es war alles so neu.
Indianer erwartete ich nicht, die hatte man, so hatten wir in der Schule gelernt ausgerottet. Das gab es in Deutschland nicht. Die Hereros, die Hottentotten, das war weit weg, das zählte für mich nicht mehr. Und das die Zukunft viel Schlimmeres bringen würde wusste man noch nicht.
In New York sah ich meinen ersten Neger. Auf den Straßen, in der Menge fiel mir keiner auf. Es lag aber daran das etliche Stadtteile zu der Zeit noch "weiß" waren.
In der U-Bahn saß mir dann ein dicker schwarzer Mann gegenüber. Heute kann ich nicht mehr sagen, ob es damals gemischte Abteile gab und ich in einem "falschen" Abteil gelandet war. Glücklicherweise fiel ihm aber mein unverhohlenes Interesse an ihm nicht auf.
Aber wo waren die vielen Cowboys? Im Centralpark gab es Polizisten auf Pferden. Hatte man das in Bremerhaven schon gesehen. Alles war anders.
Der Centralpark war für mich beängstigend groß und ich habe mich dort einige Male verlaufen.
Noch ein paar Bilder:
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| PK Bremerhaven-New York mit der Bremen |
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| Aus "Die Siegesfahrt der Bremen" Adolf Ahrens |
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| Aus NZ 21.2.2007 |
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| Hier noch ein Bild von dem Tender in Southhampton |
Mittwoch, 28. Mai 2014
New York-Bremerhaven-New York = mehr Routine
Das Gegenstück zur Tageswache 12-4, war die Nachtwache 0-4.
Einmal drei Stunden dann vier Stunden, wir mussten die sechs fehlenden Stunden Greenwichzeit zur New Yorker Zeit ausgleichen. Das wurde über die gesamte Fahrzeit stundenweise verteilt.
Wer hatte von uns Jungs schon eine Uhr? Wir merkten diese Zeitverschiebung gar nicht.
Bernie und ich schafften in der verkürzten Wache kaum unsere zu verrichtenden Aufgaben. Auch in der Nachtwache, immer der gleiche Ablauf. Zwei Matrosen mit zwei Feuerwehrschläuchen ausgerüstet, mussten die Decks mit viel Druck sauber spritzen. Dazu kamen noch zwei Mann als Hilfsschlauchhalter. Zum Scheuern gab es Sand und den Piassavabesen, alles musste rucki-zucki gehen.
Bei Sand, kam immer meine Erinnerung an das Sandschleppen auf der "Potsdam", meinem ersten Schiff auf dem Weg zum Kapitän.
Im Wasserstrahl leuchtende Algen, ein Wunder der Natur.
Wir Jungs wurden auf Trab gehalten. Wenn die Länge der Schläuche seemännisch Darm genannt endeten, dann "hurry up" zum nächtsen Hydranten. Ein dreihundert Meter Schiff hat die entsprechenden Decks und davon mehrere. Schnelligkeit war alles.
Dank Herrn Storz, der die Storz-Kupplung erfand, ging der Schlauchwechsel fix von der Hand. Später auf englischen Schiffen, auf denen ich fuhr, waren die Kupplungen noch mit zeitraubendem Schraubgewinde ausgerüstet.
Uns gehörte das ganze Schiff, abgesehen von der Plackerei ein herrliches Erlebnis.
Ein einsames Schiff rauschte durch die Nacht über den Atlantik. Bei Nieselwetter, genannt "Schmutt" (Alter Seglerspruch: "Westenwind un Schmutt, bringt den Seemann an de Kutt!"), die vom Seewasser geschwängerte Natur. Man atmete Salz und Jod.
Leider rief die Pflicht, es fehlte die Zeit. Waren die Decks geschrubbt, war eigentlich daddeldu, Feierabend. Dann kam unsere Spezialaufgabe, auf dem Promenadendeck musste noch "entsalzt" werden.
So vergingen die Tage gleichmäßig mit den Routinearbeiten der 12-4 genauso wie der 0-4 Wache vom Ausgang Englischer Kanal bis zu den Neufundlandbänken und zurück.
Die Passagiere hatten außer Bremerhaven und New York auch noch die Zu- oder Ausstiegs-möglichkeiten in Southhampton und Cherbourg.
In Southhampton brachte sie ein Tender als Zubringerschiff ans Schiff. Der Tender hatte den schönen Namen "Greetings" ex "Grüß Gott". Dieses "kleine Bötchen" ist nach dem 1. Weltkrieg eine Reparationszahlung an Großbritannien gewesen.
In Cherbourg legten wir am Kai an.
Dieser Kai ist erwähnenswert, weil ein schneidiger Kapitän, auch das gab es beim Lloyd, vor meiner Zeit mal ein halbes Dutzend Hafenkräne außer Betrieb setzte. Mit der Brückennock nahm er beim Ablegen diese Kräne "mit". Die Nock ist eine Art Balkon an der Kommandobrücke, um den Blick nach achtern und vorn frei zu haben, aber nicht um Kräne abzurasieren.
Passiert war es, weil es wie immer um Zeit ging, Schnelligkeit und Pünktlichkeit waren das Wichtigste.
Auch wenn mal ein paar Kräne im Weg waren und auch bei jeder Wetterlage, wie der nächste geschilderte Vorfall, auch vor meiner Zeit, zeigt.
Langsame Fahrt gab es nicht, so fand ein Kaventsmann, ein riesige Welle Ihren Weg zum Wintergarten, unter der Kommandobrücke gelegen. Die Fenster zerbarsten, Palmen und Inventar spülten auf das Deck. Da reichten dann wohl nicht Schlauch, Sand und Besen um Ordnung zu schaffen.
Nicht einmal ein Streik der New Yorker Schlepper und Hafenarbeiter konnte den Lloyd aufhalten. Es war eine seemännische Glanzleistung die Bremen ohne Hilfe an die Pier zu bringen. Sogar die New Yorker Zeitungen berichteten darüber. Einziger Kommentar des Kapitäns: "Der Lloyd ist pünktlich!"
Den Blick hatte man beim Einlaufen in New York:
Einmal drei Stunden dann vier Stunden, wir mussten die sechs fehlenden Stunden Greenwichzeit zur New Yorker Zeit ausgleichen. Das wurde über die gesamte Fahrzeit stundenweise verteilt.
Wer hatte von uns Jungs schon eine Uhr? Wir merkten diese Zeitverschiebung gar nicht.
Bernie und ich schafften in der verkürzten Wache kaum unsere zu verrichtenden Aufgaben. Auch in der Nachtwache, immer der gleiche Ablauf. Zwei Matrosen mit zwei Feuerwehrschläuchen ausgerüstet, mussten die Decks mit viel Druck sauber spritzen. Dazu kamen noch zwei Mann als Hilfsschlauchhalter. Zum Scheuern gab es Sand und den Piassavabesen, alles musste rucki-zucki gehen.
Bei Sand, kam immer meine Erinnerung an das Sandschleppen auf der "Potsdam", meinem ersten Schiff auf dem Weg zum Kapitän.
Im Wasserstrahl leuchtende Algen, ein Wunder der Natur.
Wir Jungs wurden auf Trab gehalten. Wenn die Länge der Schläuche seemännisch Darm genannt endeten, dann "hurry up" zum nächtsen Hydranten. Ein dreihundert Meter Schiff hat die entsprechenden Decks und davon mehrere. Schnelligkeit war alles.
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| Aus "Die Bremen kehrt heim" Hanns Tschira |
Dank Herrn Storz, der die Storz-Kupplung erfand, ging der Schlauchwechsel fix von der Hand. Später auf englischen Schiffen, auf denen ich fuhr, waren die Kupplungen noch mit zeitraubendem Schraubgewinde ausgerüstet.
Uns gehörte das ganze Schiff, abgesehen von der Plackerei ein herrliches Erlebnis.
Ein einsames Schiff rauschte durch die Nacht über den Atlantik. Bei Nieselwetter, genannt "Schmutt" (Alter Seglerspruch: "Westenwind un Schmutt, bringt den Seemann an de Kutt!"), die vom Seewasser geschwängerte Natur. Man atmete Salz und Jod.
Leider rief die Pflicht, es fehlte die Zeit. Waren die Decks geschrubbt, war eigentlich daddeldu, Feierabend. Dann kam unsere Spezialaufgabe, auf dem Promenadendeck musste noch "entsalzt" werden.
So vergingen die Tage gleichmäßig mit den Routinearbeiten der 12-4 genauso wie der 0-4 Wache vom Ausgang Englischer Kanal bis zu den Neufundlandbänken und zurück.
Die Passagiere hatten außer Bremerhaven und New York auch noch die Zu- oder Ausstiegs-möglichkeiten in Southhampton und Cherbourg.
In Southhampton brachte sie ein Tender als Zubringerschiff ans Schiff. Der Tender hatte den schönen Namen "Greetings" ex "Grüß Gott". Dieses "kleine Bötchen" ist nach dem 1. Weltkrieg eine Reparationszahlung an Großbritannien gewesen.
In Cherbourg legten wir am Kai an.
Dieser Kai ist erwähnenswert, weil ein schneidiger Kapitän, auch das gab es beim Lloyd, vor meiner Zeit mal ein halbes Dutzend Hafenkräne außer Betrieb setzte. Mit der Brückennock nahm er beim Ablegen diese Kräne "mit". Die Nock ist eine Art Balkon an der Kommandobrücke, um den Blick nach achtern und vorn frei zu haben, aber nicht um Kräne abzurasieren.
Passiert war es, weil es wie immer um Zeit ging, Schnelligkeit und Pünktlichkeit waren das Wichtigste.
Auch wenn mal ein paar Kräne im Weg waren und auch bei jeder Wetterlage, wie der nächste geschilderte Vorfall, auch vor meiner Zeit, zeigt.
Langsame Fahrt gab es nicht, so fand ein Kaventsmann, ein riesige Welle Ihren Weg zum Wintergarten, unter der Kommandobrücke gelegen. Die Fenster zerbarsten, Palmen und Inventar spülten auf das Deck. Da reichten dann wohl nicht Schlauch, Sand und Besen um Ordnung zu schaffen.
Nicht einmal ein Streik der New Yorker Schlepper und Hafenarbeiter konnte den Lloyd aufhalten. Es war eine seemännische Glanzleistung die Bremen ohne Hilfe an die Pier zu bringen. Sogar die New Yorker Zeitungen berichteten darüber. Einziger Kommentar des Kapitäns: "Der Lloyd ist pünktlich!"
Den Blick hatte man beim Einlaufen in New York:
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| Aus "Die Bremen kehrt heim" Hanns Tschira |
Montag, 19. Mai 2014
Bremerhaven - New York - Bremerhaven = Routine
Wer glaubt, dass das Meer für den Seemann die größte Gefahr ist, der irrt. Es ist die Werftliegezeit. Überall irgendwelche Löcher, Geländer fehlen, Schweißflammen (bloß nicht reingucken) und Kabel ohne Ende.
Nicht nur auf dem Boden, auch aus Wänden und Decken bedrohen sie den Seemann, der nur raten kann, ob in den Strippen Strom ist oder nicht.
Auch wenn wir schon an der Columbuskaje lagen wurde noch an jeder Ecke gewerkelt. Auf dem Weg durch den Kanal wurden noch die letzten Strippen versteckt und die letzten Nägel eingeschlagen, bevor dann in Cherbourg endgültig die letzten Werftarbeiter von Bord gingen.
Wieder hatte ich 12-4 Wache. Hier war ich ja schon routiniert. Nur war das zu putzende Messing auf der Bremen noch mehr, es wurde auch wie gehabt gepinselt. Dieses blieb auch alle weiteren Fahrten so.
Gut dass ich so trainiert war, der Bootsmann kontrollierte nämlich scharf, ob das Ebenholz etwas Poliermittel abbekommen hatte. Warum mussten bloß alle Türgriffe aus Messing sein. Dann hatte er auch ein Auge darauf, ob noch Passagiere auf Deck lagen.
Der Norddeutsche Lloyd achtete nämlich darauf, dass diese weder von Poliermittel, Farbgeruch oder arbeitendem Personal gestört wurden.
Dieses Problem erledigte sich mit dem Abendbrothunger meist von selbst. Oft wurde gehofft, dass sich der Magen, der letzten im Deckstuhl schlafenden Dame meldete. Banales Wecken war beim NdL verpöhnt. Bei Nebel half oft die Dampfpfeife nach, aber es war ja nicht immer Nebel.
Manchmal kam der Kommentar vom Bootsmann: "Die geht nicht zum Essen, die ist fett genug:"
Damit wir überhaupt arbeiten konnten sondierte der Bootsmann ständig die Decks nach passagierfreien Zonen, dort wurden dann schnell die letzten Pinselstriche oder Polierarbeiten erledigt.
Gepinselt wurde nur aus kosmetischen Zwecken und für die Visiten diverser Offiziere. Nicht Einsehbares wurde vernachlässigt und rostete bis zur nächsten Werftüberholung so vor sich hin.
Viel seemännische Ausbildung stand in der Zeit nicht auf dem Programm.
Immer wenn Passagiere das Deck anders bezeichneten, wie z.B. Balkon oder Terrasse, tauchte die Geschichte von dem Überfall eines Matrosen auf eine hochgestellte amerikanische Lady auf.
Die sich wie folgt zutrug: Die Lady betrat das Bootsdeck und rief ihrem Begleiter zu: "Ich gehe über Bord!" Das wussten ein paar starke Seemannsarme augenblicklich zu verhindern.
Die Lady war mehr erstaunt, als erbost. Nur ein Missverständnis, alles klärte sich auf, es gab keine diplomatischen Verwicklungen.
Für den "Retter" wurde von der Lady ein Flasche Whiskey beim Zahlmeister deponiert. Ablieferung aber erst in Bremerhaven.
Lloydschiffe waren für die Mannschaften alkoholfreie Zone. Wobei Bier nicht zum Alkohol zählte.
Es gab eine mannschaftseigene Bar, an der mit zugeteilten Biermarken gezahlt wurde. Für uns Jungs gab es rote und grüne Brause.
1943 - 1945 inhaftiert war, damals war es das Lager Rodgau. Zu gegebener Zeit kommt der genaue Bericht dazu.
Nicht nur auf dem Boden, auch aus Wänden und Decken bedrohen sie den Seemann, der nur raten kann, ob in den Strippen Strom ist oder nicht.
Auch wenn wir schon an der Columbuskaje lagen wurde noch an jeder Ecke gewerkelt. Auf dem Weg durch den Kanal wurden noch die letzten Strippen versteckt und die letzten Nägel eingeschlagen, bevor dann in Cherbourg endgültig die letzten Werftarbeiter von Bord gingen.
Wieder hatte ich 12-4 Wache. Hier war ich ja schon routiniert. Nur war das zu putzende Messing auf der Bremen noch mehr, es wurde auch wie gehabt gepinselt. Dieses blieb auch alle weiteren Fahrten so.
Gut dass ich so trainiert war, der Bootsmann kontrollierte nämlich scharf, ob das Ebenholz etwas Poliermittel abbekommen hatte. Warum mussten bloß alle Türgriffe aus Messing sein. Dann hatte er auch ein Auge darauf, ob noch Passagiere auf Deck lagen.
Der Norddeutsche Lloyd achtete nämlich darauf, dass diese weder von Poliermittel, Farbgeruch oder arbeitendem Personal gestört wurden.
Dieses Problem erledigte sich mit dem Abendbrothunger meist von selbst. Oft wurde gehofft, dass sich der Magen, der letzten im Deckstuhl schlafenden Dame meldete. Banales Wecken war beim NdL verpöhnt. Bei Nebel half oft die Dampfpfeife nach, aber es war ja nicht immer Nebel.
Manchmal kam der Kommentar vom Bootsmann: "Die geht nicht zum Essen, die ist fett genug:"
Damit wir überhaupt arbeiten konnten sondierte der Bootsmann ständig die Decks nach passagierfreien Zonen, dort wurden dann schnell die letzten Pinselstriche oder Polierarbeiten erledigt.
Gepinselt wurde nur aus kosmetischen Zwecken und für die Visiten diverser Offiziere. Nicht Einsehbares wurde vernachlässigt und rostete bis zur nächsten Werftüberholung so vor sich hin.
Viel seemännische Ausbildung stand in der Zeit nicht auf dem Programm.
Immer wenn Passagiere das Deck anders bezeichneten, wie z.B. Balkon oder Terrasse, tauchte die Geschichte von dem Überfall eines Matrosen auf eine hochgestellte amerikanische Lady auf.
Die sich wie folgt zutrug: Die Lady betrat das Bootsdeck und rief ihrem Begleiter zu: "Ich gehe über Bord!" Das wussten ein paar starke Seemannsarme augenblicklich zu verhindern.
Die Lady war mehr erstaunt, als erbost. Nur ein Missverständnis, alles klärte sich auf, es gab keine diplomatischen Verwicklungen.
Für den "Retter" wurde von der Lady ein Flasche Whiskey beim Zahlmeister deponiert. Ablieferung aber erst in Bremerhaven.
Lloydschiffe waren für die Mannschaften alkoholfreie Zone. Wobei Bier nicht zum Alkohol zählte.
Es gab eine mannschaftseigene Bar, an der mit zugeteilten Biermarken gezahlt wurde. Für uns Jungs gab es rote und grüne Brause.
Aktuell
Am 6. April war ich, eingeladen vom Heimatverein Dieburg, zu der Herausgabe des Jahresbuches gereist. Der Grund dafür war, ein Beitrag von mir zum Gefängnis in Dieburg, in dem ich von1943 - 1945 inhaftiert war, damals war es das Lager Rodgau. Zu gegebener Zeit kommt der genaue Bericht dazu.
Und alles wiederholt sich:
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| Quelle: https://www.fuchsbriefe.de/ |
Ahnen
Auf Grund des Feedbacks hier noch ein bisschen Ahnenforschung.
Freitag, 2. Mai 2014
Vorort von New York und eine Adresse in Hoboken
Langsam landfein gemacht, morgen geht die Bremen ins Dock. Waschen, schneiden und föhnen, d.h. Muscheln und Rost entfernen und "pönen". Für mich gab es vom Bootsmann keine Einteilung.
Meine ersten freien Tage nach langer Zeit, ich werde sie genießen.
Von Bord durch die Schleusenstraße, rechts in die Kaiserstraße an der nächsten Ecke ein Eiscafe. Zwei Häuser davor saßen in der Kneipe "Halt einen nehmen wir noch" etliche Kollegen. Ich genehmigte mir einen riesigen Eisbecher. Hatte in Gedenken an die früheren 5-Pfennig-Portionen einen riesigen Nachholbedarf. Schön wieder zu Hause zu sein.
Es roch nach Fischereihafen, es gab viel zu erzählen, gut geschlafen, gut gefrühstückt. Meine ehemaligen Freunde saßen in der Schule. Aus der Ferne hörte ich schon mal die Schulklingel. Alles war soweit weg, doch es stellte sich auch etwas Wehmut ein.
Vor der nächsten Fahrt bekam ich, bei einem Treffen mit meinem ehemaligen Schulfreund Adolf Heitmann, einen "Auftrag". Ich sollte seiner Tante in New York, eine Schallplatte "Wo die Nordseewellen trecken an den Strand" (im Original Ostseewellen) überbringen.
Ein Begleitbrief nannte mir den Weg nach Hoboken:
"Wenn Du in New York bist, dann rufe bitte an: Hoboken 3-2878. Von der Pier gehst Du rechts an bis zur 42. Straße, dort nimmst die Fähre 42. Straße nach New Jersey. Dann nimm den Bus Hoboken bis Parkavenue 3009."
Wir dockten aus, an die Kolumbuskaje zum Ausrüsten und um die Passagiere aufzunehmen.
Ein Schiff wie die Bremen ist wie eine Stadt, die jedes mal entleert und wieder aufgefüllt wird.
Das Beobachten der Anlieferung der tausend Dinge ist immer eine Schauspiel.
Die Ankunft der Passagiere am "Bahnhof am Meer" einzigartig! Die Passagiere steigen aus dem einen Verkehrsmittel, der Eisenbahn in das nächste, den großen Überseeliner. Vom letzten "Dorf" vor New York, von Bremerhaven, to next Station, New York. Bremerhaven, ein Vorort von New York.
Hier der Beweis:
https://www.google.de/maps/preview/uv?hl=de&pb=!1s0x47b6b050f3a54e33:0xbb1fc6a4169b41cb!2m5!2m2!1i80!2i80!3m1!2i100!3m1!7e1!4shttp://www.panoramio.com/photo/9369981!5sletzte+kneipe+vor+new+york+-+Google-Suche&sa=X&ei=Z8BjU_XSHeT8ygO0v4HQCA&ved=0CKsBEKIqMAo
Die Kolumbuskaje:
Viel Abschiedstränen sind hier schon geflossen. Man denke nur an die Tausende von Auswanderern der letzten Jahrhunderte. Eine Reise ohne Wiederkehr. Sie alle verließen die Heimat, die ihnen nichts mehr bieten konnte. Ein Bevölkerungsschwund ein Aderlass sondergleichen.
Mancher Landesherr versuchte Auswanderung nur mit Genehmigung zuzulassen, zum Teil sogar zu untersagen. Manch einer wurde auch, weil unliebsam mit Geld versehen, abgeschoben.
"Kommst Du zurück, kommst Du in den Knast!"
Nach 1848 (Paulskirche) verließ aus politischen Gründen viel Intelligenz die Heimat. Als Farmer getarnt erschlichen sie die Einwanderung. Nur zum "Farming" taugten sie nicht viel. Man nannte sie, weil viele Studierte waren "die Latin-Farmer".
Nicht lange, dann beherrschten sie im kleinsten Dorf die Presse oder wurden Banker, Doktoren oder Juristen.
Bremerhaven steht in der Tradition der Auswanderung an erster Stelle. Man baute für den Aufenthalt, für das Warten auf den Segler, ein Auswandererhaus und erließ Verordnungen zum Schutze dieser "Verlorenen".
Die Ärmsten wurden damit zu einem Wirtschaftsfaktor. Sie wussten noch nichts von den wochenlangen Strapazen auf den "Nussschalen" von Seglern. Die Hoffnung auf das gelobte Land ließ die Menschen viel Ertragen.
Noch eine Hürde Ellis Island, die Einwanderungsbehörde hatte das letzte Wort.
Es hält sich nachdrücklich ein Gerücht: "Alle, die man von Ellis Island, wegen Geistesschwäche oder sonstiger Gebrechen zurück schickte, siedelten mit allen Folgen der Gene im Bremer Land."
Noch ein paar Segler:
Und wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem kann ich nur wärmstens empfehlen,
dieses hier nicht zu verpassen:
Meine ersten freien Tage nach langer Zeit, ich werde sie genießen.
Von Bord durch die Schleusenstraße, rechts in die Kaiserstraße an der nächsten Ecke ein Eiscafe. Zwei Häuser davor saßen in der Kneipe "Halt einen nehmen wir noch" etliche Kollegen. Ich genehmigte mir einen riesigen Eisbecher. Hatte in Gedenken an die früheren 5-Pfennig-Portionen einen riesigen Nachholbedarf. Schön wieder zu Hause zu sein.
Es roch nach Fischereihafen, es gab viel zu erzählen, gut geschlafen, gut gefrühstückt. Meine ehemaligen Freunde saßen in der Schule. Aus der Ferne hörte ich schon mal die Schulklingel. Alles war soweit weg, doch es stellte sich auch etwas Wehmut ein.
Vor der nächsten Fahrt bekam ich, bei einem Treffen mit meinem ehemaligen Schulfreund Adolf Heitmann, einen "Auftrag". Ich sollte seiner Tante in New York, eine Schallplatte "Wo die Nordseewellen trecken an den Strand" (im Original Ostseewellen) überbringen.
Ein Begleitbrief nannte mir den Weg nach Hoboken:
"Wenn Du in New York bist, dann rufe bitte an: Hoboken 3-2878. Von der Pier gehst Du rechts an bis zur 42. Straße, dort nimmst die Fähre 42. Straße nach New Jersey. Dann nimm den Bus Hoboken bis Parkavenue 3009."
Wir dockten aus, an die Kolumbuskaje zum Ausrüsten und um die Passagiere aufzunehmen.
Ein Schiff wie die Bremen ist wie eine Stadt, die jedes mal entleert und wieder aufgefüllt wird.
Das Beobachten der Anlieferung der tausend Dinge ist immer eine Schauspiel.
Die Ankunft der Passagiere am "Bahnhof am Meer" einzigartig! Die Passagiere steigen aus dem einen Verkehrsmittel, der Eisenbahn in das nächste, den großen Überseeliner. Vom letzten "Dorf" vor New York, von Bremerhaven, to next Station, New York. Bremerhaven, ein Vorort von New York.
Hier der Beweis:
https://www.google.de/maps/preview/uv?hl=de&pb=!1s0x47b6b050f3a54e33:0xbb1fc6a4169b41cb!2m5!2m2!1i80!2i80!3m1!2i100!3m1!7e1!4shttp://www.panoramio.com/photo/9369981!5sletzte+kneipe+vor+new+york+-+Google-Suche&sa=X&ei=Z8BjU_XSHeT8ygO0v4HQCA&ved=0CKsBEKIqMAo
Die Kolumbuskaje:
Viel Abschiedstränen sind hier schon geflossen. Man denke nur an die Tausende von Auswanderern der letzten Jahrhunderte. Eine Reise ohne Wiederkehr. Sie alle verließen die Heimat, die ihnen nichts mehr bieten konnte. Ein Bevölkerungsschwund ein Aderlass sondergleichen.
Mancher Landesherr versuchte Auswanderung nur mit Genehmigung zuzulassen, zum Teil sogar zu untersagen. Manch einer wurde auch, weil unliebsam mit Geld versehen, abgeschoben.
"Kommst Du zurück, kommst Du in den Knast!"
Nach 1848 (Paulskirche) verließ aus politischen Gründen viel Intelligenz die Heimat. Als Farmer getarnt erschlichen sie die Einwanderung. Nur zum "Farming" taugten sie nicht viel. Man nannte sie, weil viele Studierte waren "die Latin-Farmer".
Nicht lange, dann beherrschten sie im kleinsten Dorf die Presse oder wurden Banker, Doktoren oder Juristen.
Bremerhaven steht in der Tradition der Auswanderung an erster Stelle. Man baute für den Aufenthalt, für das Warten auf den Segler, ein Auswandererhaus und erließ Verordnungen zum Schutze dieser "Verlorenen".
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| Auswandererhaus 1850. Heute Teil der Hochschule Bremerhaven. Aus "Das große Bremen-Lexikon" |
Die Ärmsten wurden damit zu einem Wirtschaftsfaktor. Sie wussten noch nichts von den wochenlangen Strapazen auf den "Nussschalen" von Seglern. Die Hoffnung auf das gelobte Land ließ die Menschen viel Ertragen.
Noch eine Hürde Ellis Island, die Einwanderungsbehörde hatte das letzte Wort.
Es hält sich nachdrücklich ein Gerücht: "Alle, die man von Ellis Island, wegen Geistesschwäche oder sonstiger Gebrechen zurück schickte, siedelten mit allen Folgen der Gene im Bremer Land."
Noch ein paar Segler:
Und wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem kann ich nur wärmstens empfehlen,
dieses hier nicht zu verpassen:
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